Cem Dönek – Auszubildender zum Altenpfleger

Cem Dönek absolviert zurzeit seine Ausbildung zum Altenpfleger im DSK Seniorenzentrum Eisenberg. Nach dem ersten Lehrjahr hat er die Prüfung zum Altenpflegehelfer mit ausgezeichnetem Ergebnis abgelegt und lernt nun weiter. Dies hat in seinem privaten und beruflichen Umfeld niemanden überrascht, schließlich war er von Anfang an ein Einser-Schüler.

Doch vor Ausbildungsbeginn war die Erwartungshaltung seitens seiner Freunde und Familie noch eine gänzlich andere. „Die meisten haben es mir nicht zugetraut“, erzählt er. „Sie haben gedacht, dass ich spätestens nach ein paar Wochen die Ausbildung abbreche.“

Diese Einschätzung hat mit seinem bisherigen Lebensweg und seinem beruflichen Hintergrund zu tun. Herr Dönek ist 34 Jahre alt und hat zuvor in anderen Branchen gearbeitet. Auch eine Ausbildung hat er bereits absolviert. Das ist lange her. 1999 begann er eine Lehre zur Fachkraft für Lagerwirtschaft, die er 2002 abschloss. Im Anschluss an die Ausbildung arbeitete er als Disponent in einer Firma für Personaldienstleistungen. Herr Dönek bildete sich kontinuierlich weiter und war bis 2016 bei wechselnden Personaldienstleistern in verantwortungsvollen Positionen, als Büroleiter und zuletzt auch als Geschäftsführer tätig. Er hat durchgehend über 100 Mitarbeiter*innen geführt und gut verdient.

Cem-Dönek

Im Frühling 2016 entschied er sich, wie er es lapidar formuliert, „alles hinzuschmeißen“ und bereits im Sommer begann er seine Ausbildung zum Altenpfleger.
Warum gibt jemand, der in seiner Firma etabliert ist, alles auf und fängt mit 33 Jahren in der Altenpflege ganz neu an?

Herr Dönek erzählt, wie sein alter Job sein Leben bestimmte, von 18-Stunden-Tagen, europaweiter Tätigkeit, Geschäftsreisen, zermürbenden Verhandlungen und dem Druck, Verträge abschließen zu müssen. Zuweilen führte er so viele Gespräche am Tag, dass er abends die Stimmen seiner Frau und seiner Freunde kaum ertragen konnte. Die Arbeit empfand er zunehmend als undankbar, sie machte ihm keinen Spaß mehr.

Er wollte einen beruflich Neuanfang, am besten nochmal eine Ausbildung beginnen. Nun wurde es spannend. Als vielseitig interessierter Mensch war er offen für alle Richtungen, informierte sich eingehend über verschiedene Berufe und begeisterte sich schließlich für die Altenpflege. An der Altenpflege faszinierte ihn unter anderem, dass „es eine weite Sparte ist und man sich, wenn man will, weiterbilden und dann auch weiterkommen kann.“

Aber das war nicht der einzige Grund: Er hat gerne mit alten Menschen zu tun, liebt seine Großeltern und beschreibt Senioren als „lebende Lexika“, denen er mit Respekt und Bewunderung begegnet.

Als viele Freunde und Angehörige zweifelten und ihm die Ausbildung nicht zutrauten, war dies für ihn ein Ansporn, es sich selbst zu beweisen. Seine Frau unterstützte ihn und trug die Entscheidung mit. Auch als das Paar in der ersten Ausbildungswoche erfuhr, dass es Nachwuchs erwartete.

Inzwischen gibt Herr Dönek zu, die Ausbildung unterschätzt zu haben. „Ich dachte, die Schule schaffe ich ganz locker.“ Doch Themen wie Anatomie, Pflege, Aktivierung, Kommunikation, Biographiearbeit, Arbeitsgesetze und Medikamentengabe sind anspruchsvoll. Nach dem ersten Schreck findet er es gut, dass die Ausbildung schwieriger ist, als er zunächst dachte. Schließlich hat man als Altenpfleger eine große Verantwortung.

Viele Auszubildende fühlen sich angesichts der Lerninhalte und -menge überfordert und geben schon nach kurzer Zeit auf. Herr Dönek erzählt, dass bereits im ersten Lehrjahr über 30 Klausuren geschrieben werden, auf die man sich vorbereiten muss. In seinem Ausbildungsjahrgang hat sich die Schülerzahl im Verlauf des ersten Lehrjahrs halbiert. Die hohe Abbrecherquote ist ein bundesweites Phänomen und angesichts des Personalmangels in der Altenpflege erschreckend.

Cem Dönek ist daher froh, dass er als Auszubildender bei DSK nicht alleingelassen wird. „Es wird viel Wert auf die Schüler gelegt, darauf, dass sie gut geschult werden.“ Im Haus stehen den Schüler*innen drei Mentorinnen, engagierte Fachkräfte, unterstützend zur Seite. Herrn Döneks Mentorin ist die erfahrene Altenpflegerin Sandra Leßmeister-Barth. „Sie und auch andere Kolleginnen haken oft nach, ob es Fragen gibt. Man erhält Hilfe zu theoretischen Themen und in der Praxis. Wir bekommen viel beigebracht.“ Er fühlt sich gut aufgehoben in seiner Ausbildungsstätte und möchte nach Abschluss der Lehre bei DSK bleiben. Hier wird man auch nach der Ausbildung gefördert, es werden zahlreiche Fortbildungsmöglichkeiten und interne Schulungen angeboten.

Den Umgang im Team und mit den Bewohner*innen beschreibt Herr Dönek als familiär und vertrauensvoll. „Das Haus hat eine gute Größe, man kennt die Bewohner und sie kennen sich untereinander. Man hat nicht das Gefühl, hier leben nur kranke und alte Menschen.“ Durch die Lage an der Fußgängerzone nehmen die Bewohner*innen noch am Ortsgeschehen teil und treffen alte Bekannte. Das Café des Seniorenzentrums wird auch von Angehörigen und Freunden als beliebter Treffpunkt geschätzt, was wiederum den Bewohner*innen zugute kommt.

Auf die Frage, welche Voraussetzungen man für den Beruf mitbringen sollte, antwortet Cem Dönek: „Man muss die Ausbildung machen, weil man es selbst will. Man sollte offen auf Menschen zugehen und möglichst keine Berührungsängste haben.“ Aus seinen eigenen Erfahrungen zu Beginn der Ausbildung berichtet er, dass sowohl seine Berührungsängste als auch die Klischees, die er mit dem Beruf verbunden hat, in kürzester Zeit verschwunden waren. „Das hat keine Woche gedauert. Die Arbeit ist körperlich und psychisch anstrengend, doch man bekommt viel zurück.“

Er erzählt, dass die Bewohner*innen schätzen, was er für sie tut, dass sie sich freuen, wenn er aus dem Urlaub zurück ist, sie oft zusammen lachen und manche sogar für ihn beten.

Wenn man Herrn Dönek kennenlernt, kann man sich gut vorstellen, wie er mit den Bewohner*innen umgeht und wie seine authentische und humorvolle Art bei ihnen ankommt. Das kann seine Kollegin Dana Schattner nur bestätigen: „Die Bewohner lieben Cem, vor allem die Frauen.“

Als einziger männlicher Auszubildender seines Jahrgangs möchte Herr Dönek Interessierte und ausdrücklich Männer zu der Ausbildung ermutigen. Sie sollen den ersten Schritt wagen und ein Praktikum machen. „Der Beruf ist nicht einfach, aber schön und es stehen einem viele Türen offen. Männer müssen in den Job. Traut euch!“